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Zukunftsorientiert auf traditioneller Basis

Traditionsbewusstsein ist kein Hindernis für zukunftsorientiertes Denken. So jedenfalls blickt der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurück. „Teilhabe an der gesellschaftlichen Diskussion auf der Grundlage katholisch-christlicher Ethik hat heute andere Themen als die, die dem CV bei seiner Gründung in die Wiege gelegt wurden. Wertorientiertes Denken und Handeln ist aber in unserer modernen Gesellschaft nicht weniger gefragt als vor 150 Jahren, und aus dieser Tradition heraus nehmen wir die Herausforderungen der heutigen Zeit gern an“, resümiert der Präsident des mit rund 30.000 Mitgliedern größten katholischen Akademiker-Verbandes in Europa, Manfred Speck.

Die Dominanz des preußischen Protestantismus war es, die katholische Studenten und Akademiker in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts speziell im preußisch beherrschten Rheinland veranlassten, enger zusammen zu rücken und sich zu organisieren. In Bonn wurde mit der Katholischen Studentenverbindung Bavaria am 15. November 1844 denn auch die älteste der 128 Korporationen gegründet, die heute dem CV angehören. Dessen Verbandsgeschichte begann dann zwölf Jahre später, am 6. Dezember 1856, mit der Ratifizierung eines Freundschaftsabkommens zwischen den katholischen Studentenverbindungen Winfridia in Breslau und Aenania zu München. Diesem Freundschaftsbund schlossen sich in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Verbindungen an. Geschichte und Zeitgeist erlegten dem Verband immer wieder Prüfungen auf. 1935 löste er sich sogar selbst auf, um sich der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten zu entziehen. Allerdings hatte der damalige Zeitgeist im CV bis dahin zu erheblichen Spannungen geführt, und falsche Einschätzungen führten zu Mitläufertum auch bei Mitgliedern von CV-Verbindungen. Andererseits führen die Annalen des Verbandes auch Widerstandskämpfer, die für ihre aufrechte Haltung ihr Leben ließen oder Haft und Misshandlungen in Kauf nehmen mussten. Weit weniger schneidend war der Gegenwind in der Endphase des 20. Jahrhunderts, als das Verbindungswesen in weiten und tonangebenden Kreisen der Gesellschaft als Hort des Konservativismus verpönt war. Inzwischen hat sich das gesellschaftliche Klima wieder gewandelt, und die Verbindungen im CV haben wieder mehr Nachwuchs unter den angehenden Akademikern. An bisher im Cartellverband nicht vertretenen Hochschul-Standorten haben junge Studenten mit Unterstützung Alter Herren auch in jüngster Zeit immer wieder den Mut gefunden, eine neue Korporation zu gründen. Und auch aus den neuen Bundesländern sind an dortigen Hochschulen studierende Cartellbrüder zum CV gestoßen, die den Mut hatten, sich in der Gemeinsamkeit ihrer Katholizität auch gegen die Staatsräson zusammen zu schließen.

„Für uns als Verband ist es heute zentrale Aufgabe, die Kontinuität katholischer Ethik im sich wandelnden Zeitgeist zu wahren“, so Manfred Speck. „Dies ist zum einen eine Loyalität zu unserem Glauben und einer ihn repräsentierenden Kirche. Dies stellt uns zum anderen vor die Aufgabe, gesellschaftliche Entwicklungen ständig zu beobachten und die ethischen Maßstäbe anhand neuer Probleme neu zu interpretieren.“ Tradition, so Speck, könne dabei nicht Gestrigkeit bedeuten, sondern sei allein eine Rückbesinnung auf die Geschichte, was im CV auch für die Formen couleurstudentischen Brauchtums gelte. „Wo Bewusstsein für Tradition nicht die Diskussion über eine Öffnung für Neues verhindert, kann sie als Orientierung nur positiv bewertet werden.“

Zentrale Diskussionen, in die der CV seine katholisch geprägten ethischen Beiträge einbringt, sind die Hochschulpolitik und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Hochschulpolitisch steht dabei die Bildung akademischen Verantwortungsbewusstseins statt elitären Funktionärsdenkens im Vordergrund. Im gesellschaftspolitischen Kontext geht es um Führungsverantwortung in der Berufswelt und die Gestaltung menschenwürdigen Lebens in einer modernen Gesellschaft. Veranstaltungen wie die CV-Hochschulgespräche und die CV-Wartburg-Gespräche, beide in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, sowie die CV-Medientage in Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung dienen der Auseinandersetzung mit solchen Fragen.

Weiterhin prägend bleiben daneben selbstverständlich in den einzelnen Verbindungen und auch im Verband die Lebensfreundschaft und der Ansporn und die Unterstützung auf dem Weg durch das Studium zum Beruf. Das Miteinander der Generationen in dieser Lebensfreundschaft verhindert nicht zuletzt feindselige Auseinandersetzungen zwischen Alt und Jung, die in einer Zeit knapper werdender Ressourcen auch in unserer Gesellschaft immer wieder aufflammen. Und der Rat der Alten ist im CV kein Ehrengremium, sondern eine aktive Hilfe Erfahrener für junge Menschen auf dem Weg ins Berufsleben.

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