CV-Tagung zur Nähe der Kirche zu den Menschen

30.11.2015

Kloster Banz.-  Wie nahe ist die Kirche bei den Menschen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die diesjährigen CV-Medientage des Cartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen im Bildungszentrum Kloster Banz der Hanns-Seidel-Stiftung. Zwei Ausgangspunkte für die Referate und Diskussionen waren das zweite Vaticanum, das 50 Jahre zurückliegt, und die Aktivitäten des Papstes Franziskus I.

Die Tagung eröffnete Dr. Marco Bonacker, CV-Mitglied und Bildungsreferent für Sozialethik im Bistum Fulda, mit dem Thema „Kirche der Armen – Kirche im Reichtum: Wohin steuert Papst Franziskus die Una Sancta? Wie ist sein sozialethisches Programm?“ Der Referent bezeichnete die Namenswahl des Papstes als eine Zäsur. Der Name bezieht sich auf Franziskus von Assisi, der in der katholischen Volksfrömmigkeit und zumal in Italien einer der beliebtesten Heiligen sei. Franziskus von Assisi, so Marco Bonacker, habe damals einen neuen Blick auf die Kirche geweckt und vom Blick auf die armen Menschen gesprochen. Das neue Denken habe die Verantwortung der Kirche für die Welt geprägt. Auch im neuen Jahrtausend habe die soziale Frage Bedeutung für die Kirche gewonnen. In dieser Tradition des Ordens der Franziskaner und seines Ordensgründers Franziskus von Assisi sehe sich, so Marco Bonacker, nun Papst Franziskus. Die Bewusstmachung von Problemen in einer von wirtschaftlichen Krisen geprägten Gegenwart, in der Menschen am unteren Rand der Weltgesellschaft zum Spielball von Interessen würden, die in ihrer Gesichtslosigkeit und Anonymität nur schwer auszumachen seien, sei ein Hauptanliegen von Papst Franziskus. Er sehe in diesem Zusammenhang gesellschaftliche Themen kritisch. In seiner Exhortatio „Evangelii Gaudium“ gehe der Papst explizit auf den Armutsbegriff ein. In den Augen von Papst Franziskus werde auch die Glaubwürdigkeit der Kirche gerade daran zu messen sein, wie die Kirche mit den Menschen umgehe. Die Armen hätten, so sehr sie am Rand der Gesellschaft leben mögen, doch ihren Platz in der Mitte der Kirche. Sie seien in den Augen des Papstes nicht einfach nur Empfänger milder Gaben, sondern die Lehrer der Liebe Christi. Ihnen sei auch das geistige Leben wieder zu vermitteln. Die Kirche wolle universal helfen und verstehe Hilfe für die Armen als Gottesdienst. In Deutschland, so Marco Bonacker, habe die Kirche mit der katholischen Soziallehre einen nicht geringen Anteil am sozialen Bewusstsein, wofür  er unter anderem auf Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler und auf Kardinal Josef Höffner hinwies. Papst Franziskus wolle den Gläubigen neu und immer wieder bewusst machen, dass sie in der Begegnung mit Jesus Christus auch ihren sozialen Auftrag als getaufte Christen wahrnehmen dürfen.

Über das 2. Vatikanische Konzil und seine Wirkung in der Kirche referierte der Generalvikar der Erzdiözese Bamberg, Msgr. Georg Kestel, der im Anschluss auch den Abendgottesdienst mit den Tagungsteilnehmern feierte. Es gebe, so berichtete er zu den Wirkungen des Konzils, in allen Schichten des Volkes Gottes von den ersten Tagen der Einberufung an bis heute unterschiedliche Positionen. Die einen sähen das Konzil als Verrat am Glauben, die anderen forderten eine neue Kirchenversammlung. Zum Konzil selbst berichtete er, Papst Johannes XXIII. habe angesichts des Rückgangs der Kirchenbesuche in der Nachkriegszeit auf Krisenthemen reagiert. Vom Kriegsende bis zum Konzil hatte sich in Deutschland, so Msgr. Kestel, die Zahl der Jugendlichen, die in Pfarrei und Verbänden organisiert waren, halbiert. Für die Wirkung des Konzils berichtete er über von Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, formulierte neue Herausforderungen: „Die Gottesfrage ist in der Krise; die Frage nach Gott muss erneuert werden. Der Bruch in der Weitergabe des Glaubens an die künftige Generation darf nicht ruhen lassen. Die Kirche muss noch viel stärker in ihrer dienenden Hinordnung auf Gott und die Menschen für ein glaubwürdiges Zeugnis gesehen und entfaltet werden. Die aktive Verantwortung der Christen für die Gestaltung gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse muss immer neu geweckt werden. Notwendig ist eine neue missionarische Initiative. Inmitten des vielfältigen Pluralismus muss der Glaubens-Standort in der Gesellschaft offensiver markiert werden.“ Zu den Konzilsbeschlüssen zum Thema Liturgie machte Msgr Kestel deutlich, das Volk solle in der Liturgie nicht mehr zuschauen, sondern alle seien Träger der Liturgie. Insgesamt hätten die Laien eine neue Bedeutung erhalten. Ein bedeutendes Thema des Konzils sei auch die Ökumene im Hinblick auf die Einheit der Christen gewesen. Auch sei der Dialog mit nichtchristlichen Religionen in die Institutionalisierung und in den Respekt vor der Religiosität außerhalb der Kirche geführt worden. Zur fortgesetzten Verwirklichung des 2. Vaticanums zitierte Msgr. Kestel Papst Benedikt XVI.: „“Ich will mit Nachdruck meinen entschiedenen Willen betonen, die Verpflichtung zur Verwirklichung des Zweiten Vatikanischen Konzils auf der Spur meiner Vorgänger fortzusetzen. Die Kirche hat sich mit dem Evangelium in der Hand, das durch die maßgebliche Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils an die moderne Welt angepasst wurde, in das neue Jahrtausend begeben. Im Laufe der Jahre haben die Konzilsdokumente nichts an Aktualität verloren; ihre Lehren erweisen sich vielmehr als besonders passend in Bezug auf die neuen Erfordernisse der Kirche und gegenwärtigen, globalisierten Gesellschaft.“

Mit der Resonanz der katholischen Kirche in der Gesellschaft beschäftigte sich in seinem Referat Pater Professor Dr. Friedhelm Hengsbach SJ. Im Rückblick auf die extrem steigenden Kirchenaustritte im Jahr 2014 wegen des automatischen Kirchensteuereinzugs von Kapitalerträgen durch die Banken wie im Jahr 2010 wegen sexueller und gewalttätiger Verbrechen kirchlicher Amtsträger an Jugendlichen und 2013 wegen des Lebens- und Baustils des Limburger Bischofs sah er die Anforderung, aus einer sozialethischen Perspektive nach den Ursachen eines schleichenden Resonanzschwundes der katholischen Kirche in der Gesellschaft zu fragen. Die Kirchenleitungen ließen sich nicht auf die Unterscheidung einer „Kirche ad extra“ und einer „Kirche ad intra“, wie es Papst Johannes XXIII. formuliert habe und was im 2. Vatikanischen Konzil bekräftigt und erläutert worden sei, ein. Die komplexe Größe der Kirche bestehe aus einer Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sowie in einem sichtbaren Gefüge, in einer geistlichen Gemeinschaft und in einer sichtbaren Versammlung, mit himmlischen Gaben beschenkt und irdisch, mit göttlichen und menschlichen Elementen. Eine Darstellung und Prüfung der Kirche in sozialwissenschaftlicher und sozialkritischer Sprache werde abgewehrt, denn die Kirche sei nämlich nicht vergleichbar mit einer säkularen Gesellschaft. Die Verfassung der Kirche werde nicht mehr als heilige Hierarchie bezeichnet, sondern als hierarchische Struktur. In einer historisierenden Deutung werde der Versuch unternommen, die derzeitige autokratische Wahlmonarchie auf einen Gründungsakt Jesu Christi zurück zu führen. Diese Struktur sei zudem patriarchal und schließe Frauen kategorisch aus Ämtern mit relevanter Entscheidungskompetenz aus, was durch historische, dogmatische und lyrische Begründungen mit unter Verdacht stehender Stichhaltigkeit gerechtfertigt werde. Ein kirchliches Sonderarbeitsrecht lasse Hinterfragung zu. Auch bleibe die Exit-Option der Kirchen, keine Bündnisse mit kirchenfremden Gewerkschaften und anderen Wohlfahrtsverbänden einzugehen, um einheitliche Tarife etwa für den Gesundheitsbereich durchzusetzen, unverständlich. Der Kirche als Vermögenseigentümerin begegne von Seiten der Gesellschaft Unverständnis zum einen, weil die Pluralität der Einrichtungen als Vorwand gedeutet werde, um die Undurchsichtigkeit zu verschleiern, zum anderen weil ein sogenanntes ethisches Investment nicht erkennbar sei. Zum Glauben erläuterte Professor Hengsbach, dieser sei Handeln, nicht ein Fürwahrhalten, ein neues Selbstverständnis, ein inneres Empfinden, weshalb das Engagement kirchlicher Gruppen für Arme und Flüchtlinge eine überragende Resonanz in der Gesellschaft finde.

Über das Thema „Frohe Botschaft oder Nebengeräusche. Wodurch weckt die Kirche das Interesse der Medien?“ referierte die Leiterin der Redaktion Kirche und Leben (kath.) des ZDF Michaela Pilters. Sie schilderte die Bedeutung von Markt und Quote für die Medien, wodurch Information eine Ware sei, mit der es Geld zu verdienen gelte. Je mehr Aufregerpotenzial eine Meldung habe und je mehr Emotionen sie wecke, desto besser werde sie den Anforderungen der Medien gerecht. Unter diesem Aspekt sei es nicht verwunderlich, dass Skandale von den Medien verstärkt aufgegriffen würden. Ein weiteres mediales Erfordernis sei, dass Menschen gebraucht würden, die bereit seien, sich in Bild und Ton zu äußern. Eine gute Auswahl hierfür habe Bedeutung unter anderem für die Talk Shows. Bedeutsam sei für die Medien auch das Zuschauerinteresse, das in erster Linie der Unterhaltung gelte. Auch im Hinblick auf den Bedeutungsverlust der Kirche in der Gesellschaft stelle sich den Medienleuten eine Vermittlungsproblematik. Unter anderem sänken die Zuschauerzahlen für Gottesdienstübertragungen ab. Sendungen, in deren Titel die Worte Kirche, Religion oder Gott stünden, hätten deutlich niedrigere Zuschauerquoten.

Über die kirchliche Bindung Jugendlicher referierte Dr. Annette Jantzen, Referentin für Kirchenpolitik und Jugendpastoral in der BDKJ- Bundesstelle. Sie berichtete von der Ansprache Jugendlicher durch Jugendorganisationen der katholischen Welt und deren Erfolg. Ein weiterer Teil ihres Referats galt Befragungen Jugendlicher zu ihrem Interesse an kirchlichem Leben.

 

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