CV beklagt zunehmendes Unwissen über Nationalsozialismus

Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV) ...

hat anlässlich des 75. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 das schlechte Wissen über den Krieg und die NS-Zeit, insbesondere bei der jüngeren Generation, beklagt. Es dürfe nicht sein, so der katholische Akademikerverband, dass in Deutschland Schülerinnen und Schüler die Schulen verlassen, ohne im Unterricht die Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft, des Völkermordes an Juden und der Verfolgung, Inhaftierung oder Ermordung gesellschaftlicher, politischer, religiöser und anderer Regimegegner behandelt zu haben. Für den CV gehört die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zum Selbstverständnis der Bundesrepublik Deutschland, weshalb es auch keinen Schlussstrich unter die NS-Geschichte geben könne. Für den Vorsitzenden im CV-Rat, Dr. Claus-Michael Lommer, ist und bleibt die historische Verantwortung für den Holocaust und die Sicherheit Israels Teil der deutschen Staatsraison. Lommer: "Das Holocaust-Mahnmal in Berlin kann deshalb niemals ein Denkmal der Schande sein. Hitler und die Nazis sind kein Vogelschiss in der deutschen Geschichte. Unser Land und unser Cartellverband stehen ein für die Grundwerte Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Toleranz."

Der CV-Ratsvorsitzende ging auf die Rolle des eigenen Verbandes in der NS-Zeit ein. Nicht wenige CVer, so Lommer, hätten sich angepasst und mit dem NS-Regime arrangiert. Viele allerdings seien, zumeist aufgrund ihres tiefen katholischen Glaubens, auf Distanz zum Nationalsozialismus geblieben und manche davon hätten sich aktiv im Widerstand engagiert. Lommer nannte unter vielen anderen den ehemaligen Württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz sowie Rechtsanwalt Reinhold Frank, die beide zum Kreis um Carl Friedrich Goerdeler gehörten und ihren Widerstand mit dem Leben bezahlten.

Weil sie sich in ihrer Mehrheit in der NS-Zeit nicht kompromittiert hatten, spielten Mitglieder des CV und anderer katholischer Akademikerverbände eine bedeutende Rolle beim Wiederaufbau eines demokratischen Nachkriegsdeutschlands. Bundes- und Landesminister, Ministerpräsidenten und mit Heinrich Lübke ein Bundespräsident waren Mitglieder des CV.