CV BESORGT ÜBER STERBEHILFE-URTEIL

„Das Bundesverfassungsgericht hat mit seinem Urteil vom 26. Februar 2020 zum § 217 StGB (1) sicher vielen persönlich Betroffenen, Sterbehilfeverbänden und Ärzten rechtliche Sicherheit gegeben.  Der Vorsitzende im CV-Rat, Dr. Claus-Michael Lommer, respektiert dieses Urteil des höchsten Gerichtes, sieht aber doch mit Besorgnis, dass von Schwersterkrankten und in sehr schwierigen Lebenssituation Stehenden vielleicht zu schnell der Weg in den Tod gewählt wird, wo durchaus noch bei entsprechender palliativer und fachlicher Hilfe der Weg für ein lebenswertes Leben bestehen würde. Die Tragweite dieses Urteils wird aber noch deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass das Recht auf selbstbestimmtes Sterben nicht auf fremddefinierte Situationen wie schwere oder unheilbare Krankheitszustände oder bestimmte Lebens- und Krankheitsphasen beschränkt ist. Es besteht in jeder Phase menschlicher Existenz. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes passt sich dem gesellschaftlichen Trend einer gewissen Areligiösität und religiösen Demenz an. Hierzu formuliert Jakob Paula treffend: “Im Unterschied zur medizinischen Demenz ist es bei der religiösen Demenz allerdings keine Gnade, das Vergessen zu vergessen, sondern es ist verhängnisvoll, dass die Gottvergessenheit als solche schon vergessen ist. Nicht einmal das Vergessenhaben wird bemerkt, geschweige denn bedauert. Gott ist einfach weg!“1

Der Cartellverband ist ein Lebensbund zwischen Aktiven und Philistern, ein lebenslanger fester Freundschaftsbund, in dem auch die Angehörigen ihren festen Platz haben. So sollte für uns als lebensbejahende Christen dieses Urteil Anlass sein, uns um unsere kranken oder in schweren Lebensphasen befindlichen Cartell- und Bundesbrüder zu kümmern und nachzuhaken, wenn wir längere Zeit nichts mehr gehört haben. Wir sollten ihn und seine Familie begleiten, unaufdringlich, aber immer mit dem deutlichen Signal „Ich bin für Dich da.“ und „Sorge Dich nicht, wir kümmern uns.“ Die persönliche Zuwendung zum Bundes- und Cartellbruder und die Unterstützung durch die Organisation bester Hilfe für den Betroffenen sind sicher eine Alternative zu den zu erwartenden Durchführungsbestimmungen der Bundesregierung.

Der Tag der Urteilsverkündigung war der Aschermittwoch 2020. Wir haben an diesem Tag das Aschekreuz als Zeichen des Neuanfangs, der Hoffnung und des neuen Lebens empfangen, ein Ansporn für unseren Auftrag im Lebensbund. “

1) Jakob Paula in „Christ in der Gegenwart“, 9, 95 (2020)