CV gedenkt 30 Jahre Deutscher Einheit

Am 3. Oktober 2020 begeht die Bundesrepublik Deutschland zum dreißigsten Mal den Tag der Wiedervereinigung. Die Freude über den Erfolg unserer Mitbürger 1989 darf aber den früheren Tag der deutschen Einheit, im Gedenken an die mutigen Bürger und Bürgerinnen in Mitteldeutschland, den 17. Juni 1953, nicht vergessen machen.

Eine Senkung von Arbeitsnormen, die Freilassung politischer Häftlinge, der Rücktritt der SED-Regierung, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands: Mutig traten Mitteldeutsche am 17. Juni 1953 in der gesamten Deutschen Demokratischen Republik für diese Ziele ein. Die Hoffnungen der Demonstrierenden wurden schon im Lauf des Nachmittags zerstört, als sowjetische Panzer auffuhren, um den Aufstand niederzuschlagen. Trotzdem blieben die Ereignisse ein Trauma für die SED-Führung. Sie fürchtete sich so, dass sie am 13. August 1961 die schwerbefestigte, mit Todesstreifen ausgestattete Zonengrenze, die Mauer, errichtete, auch um die Republikflucht zu stoppen. Mehr als drei Jahrzehnte nach 1953, angesichts wachsender Bürger-Proteste 1989, fragte Stasi-Chef Erich Mielke: "Ist es so, dass morgen der 17. Juni ausbricht?". Doch nicht ein neuer 17. Juni brach aus, sondern die Friedliche Revolution. Die Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik haben sich ihre Freiheit mutig erkämpft. Sie sind für sie im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gegangen. Dafür sollten wir alle sehr dankbar sein. Ihre Tapferkeit und ihr Mut, ihr fester Glaube an die Freiheit führten am 9. November 1989 zum Mauerfall und ein knappes Jahr später zur deutschen Wiedervereinigung. Unsere Dankbarkeit gilt hier sicher auch dem Hl. Vater, hl. Johannes Paul II, den damaligen Regierenden in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir sind Zeitzeugen dieser Ereignisse.

Die Wiedervereinigung der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland unter dem Grundgesetz der westlichen Republik hat den Osten ungleich mehr verändert als den Westen. In der Bilanz ist festzustellen, dass das Handeln in der Wirtschaft und Gesellschaft nicht ausreichend Rücksicht auf die Fähigkeiten und Lebenssituation der Menschen in der früheren DDR genommen hat. Politische Ideen der frei gewählten neuen Führung der DDR fanden keine, oder kaum, Berücksichtigung. Wir wissen, dass Gefühle, etwa das Empfinden fehlender Wertschätzung oder fehlender Anerkennung des früheren Lebens, die Menschen mindestens genauso prägen und weitergegeben werden, wie Tatsachen, dass Milliarden Euro für die Angleichung der Lebensbedingungen von Mittel- und Westdeutschland investiert wurden. Es wird noch dauern, aber wir sind auf dem richtigen Weg in die Zukunft, und in der Mitte oder am Ende des Jahrhunderts werden die Grenzen verwischt sein. Heute sehen wir diese noch.

Der Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen hat in den vergangenen 30 Jahren in Mitteldeutschland wieder Fuß gefasst. Alte, traditionsreiche Verbindungen der Vorkriegszeit, die im Geheimen oder Zirkeln überdauerten, blühten wieder auf oder wir haben neue Gründungen vollzogen. Heute gehören die Leipziger Germanen, die Dresdener Chursachsen, die Jenenser Saarländer, die Norbertinen aus Magdeburg, die Hallenser Rheno-Saxonen und die Greifswalder Alemannen zu unserem Verband. Aktive und Altherrenschaft tragen hier mit Verantwortung in der Entwicklung in Politik, Wirtschaft und Hochschule. So trägt auch der CV seinen Teil zur Aufarbeitung der Geschichte, die auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch nicht abgeschlossen ist, aber insbesondere zur Weiterentwicklung und zum Aufbau und damit zur Deutschen Einheit bei.