Das von Gott geschenkte Leben ist unverfügbar

CV zum Jahrestag des Verfassungsgerichtsurteils zum selbstbestimmten Sterben vom 26. Februar 2020

Bereits unmittelbar nach Veröffentlichung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtshofes zum Recht auf selbstbestimmtes Sterben vom 26. Februar 2020 hat der Cartellverband seine tiefe Sorge über die Auswirkungen dieser Entscheidung zum Ausdruck gebracht. Zum Jahrestag dieses absolut säkularen Urteils unterstreicht der Vorsitzende im CV-Rat und des Vorstandes des Altherrenbundes, Dr. Claus-M. Lommer (R-Bl), sehr deutlich, dass von dieser Entscheidung, insbesondere auch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen, ein sehr bedenkliches und falsches Signal an alle Menschen in kritischen Lebenssituationen ausgehen kann.

Es sei fatal, so Lommer, dass es keine Möglichkeit gebe, der, auf der Basis eines momentanen Verständnisses oder Einschätzung von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit, getroffenen Entscheidung des Einzelnen seinem Leben ein Ende zu setzen, entgegenzutreten. Auch wenn Befürworter des Urteils in ihrer Argumentation stets auf verzweifelte und unheilbar kranke Patienten verwiesen, gehe die Entscheidung des Verfassungsgerichts weit über diese Personengruppe hinaus. Dr. Claus-Michael Lommer: "Wir haben große Sorge, dass eben nicht nur unheilbar Schwersterkrankte den Freitod wählen, sondern auch tief verzweifelte Menschen, die sich objektiv aber in nur vorübergehend schwierigen Lebensverhältnissen befinden. Als Vorsitzender eines Akademikerverbandes denke ich beispielsweise an Studentinnen und Studenten mit großen Zukunftsängsten, die keine Perspektive für ihren Lebensentwurf sehen, aber auch an die Kulturschaffenden im Land, die derzeit keinerlei Einkommen haben, oder die vielen kleinen selbstständigen Unternehmer, die sich für ihre Läden, Firmen oder Restaurants hoch verschuldet haben, diese seit Monaten geschlossen halten müssen und das Vertrauen in die Zukunft verloren haben. Was für einen möglichen und einfachen Ausweg gestattet ihnen das BVerfG-Urteil? Dabei besteht für diese Menschen bei einer entsprechenden fachlichen Hilfe ein Weg für ein weiterhin lebenswertes Leben."

Der Cartellverband befürchtet durch das Urteil auch einen unterschwelligen Druck auf die Kranken, man möge seinen Mitmenschen doch bitte die Last seiner Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Depression ersparen und "rücksichtsvoll" dem eigenen Leben ein Ende setzen. Wohin entwickelt sich eine Gesellschaft, die jegliches Leiden auszublenden versucht, Leben mit Leid als wertlos betrachtet und die sofortige Linderung durch Freitod unkompliziert anbietet?

Lommer: "Die Deutsche Bischofskonferenz hat in einem Statement formuliert, dass für Christen jedes Leben wertvoll ist. Deshalb muss aus meiner Sicht unser menschliches Bemühen der Hilfe zum Leben gelten und nicht der Hilfe zum Sterben. Der Cartellverband spricht sich deshalb auch für den verstärkten Ausbau sowohl der Palliativmedizin und Schmerztherapie als auch der Möglichkeiten und der finanziellen Unterstützung der häuslichen Pflege aus. Die ehrenamtliche Tätigkeit mit den so wichtigen  Krankenhaus-, Heimbesuchs- und Hausdiensten sowie der Nachbarschaftshilfe verdient mehr Anerkennung und Unterstützung, weil hier Dienst für das Leben geleistet wird.
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts berührt direkt unseren Glauben von der Unverfügbarkeit des von Gott geschenkten Lebens. Das bedeutet, dass der Tod nicht herbeigeführt, wohl aber ein Sterben in Würde zugelassen werden darf."

Die Richter des Bundesverfassungsgerichtes haben sehr wohl erkannt, dass gerade am Ende des Lebens die Freiheit der Entscheidung eingeschränkt sein kann und daher eine Regelung des Lebensendes, die das Urteil respektiert, zugelassen. Der Cartellverband bittet die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die sich um klare rechtliche Regelungen in der Umsetzung des Urteils vom 26. Februar 2020 befassen, sich an den Gottesbezug in unserer Verfassung, die der Verfügbarkeit über menschliches Leben enge Grenzen setzt, zu erinnern.