Gemeinschaft statt Studieren in Distanz

Cartellverband warnt davor, Lehre und Forschung nur noch digital stattfinden zu lassen und ruft Studierende zur Impfung auf

Der Cartellverband der katholischen Deutschen Studentenverbindungen (CV) sieht die Gefahr, dass die Politik in Deutschland Bildung und Wissenschaft in Zukunft fast ausschließlich digital stattfinden lassen will. Das habe im Wesentlichen finanzielle Gründe, sei aber weder im Interesse der Studierenden noch der Hochschullehrer und dürfe deshalb nicht über deren Köpfe entschieden werden, so der katholische Akademikerverband.

Für den CV ist die coronabedingte schnelle Umstellung auf einen nahezu hundertprozentigen Onlinebetrieb an den Universitäten gut gelungen, weshalb in der Öffentlichkeit relativ wenig über die Situation an den Hochschulen gesprochen werde. Das Leben und Erleben an einer Universität könne aber nicht vollständig digital kompensiert werden. „Während des Studiums werden wichtige Beziehungen fürs Leben geschlossen. Es findet eine persönliche und charakterliche Reifung statt, die nur in der tatsächlichen Begegnung und im Austausch mit anderen Menschen gelingen kann“, so der Bonner Politikstudent David Dekorsi, neuer Vorortspräsident des CV-Studentenbundes, der die rund 4000 studierenden Mitglieder des Cartellverbandes vertritt. Das könne aber nur geschehen, wenn die Studentinnen und Studenten ihre Hochschule als wirkliche neue Heimat erleben könnten. „Zu einem Studienort gehört mehr als irgendwo in einem Hörsaal oder Seminarraum gesessen zu haben“, so Dekorsi, Mitglied der katholischen Studentenverbindung Novesia in Bonn. Zu einem wirklichen Studentenleben gehöre das ernsthafte Studieren ebenso wie das studentische Feiern etwa in einer Studentenverbindung. „Manche unserer jungen Verbindungsmitglieder und natürlich auch alle anderen Studierenden durften vor Corona noch das „echte“ Studentenleben kennenlernen. Seit bald anderthalb Jahren befinden sie sich nun im Online-Studium. Wer im Sommersemester 2020 sein Studium aufgenommen habe, habe seinen Campus noch nie betreten, keine Präsenzveranstaltungen oder Gruppenarbeiten in der Universitätsbibliothek erlebt und keine Studentenparty gefeiert. Bildung ohne persönliche Begegnung sei auf Dauer aber nicht möglich, zitiert Dekorsi die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, Prof. Dr. Christiane Woopen.

Wo, so fragt sich nicht nur der Cartellverband, solle die Prägung der jungen Menschen zu selbstständigen, verantwortungsbewussten und sozialen Wesen, die Erweiterung ihres Horizontes oder ein Perspektivenwechsel stattfinden, wenn sie wieder statt an der Uni einen Großteil ihres Studiums vor dem Bildschirm im Kinderzimmer der elterlichen Wohnung verbrächten. Wozu solle man sich dann am Hochschulort engagieren, sei es in einer Studentenverbindung, in der Hochschulpolitik oder sozial? „Die Studienzeit ist einfach zu kostbar, um nur zu studieren“, so David Dekorsi.

Auch für den Cartellverband ist die Zukunft der Universität digital. Sie liege aber nicht im Fernunterricht. Gleichwohl sei die dringend erforderliche nachhaltige Öffnung des Hochschulbetriebs erst dann möglich, wenn Studierende und Lehrende geimpft seien. Der Vorsitzende des CV-Studentenbundes ruft deshalb alle Kommilitonen und Kommilitoninnen auf, die inzwischen vielfältigen Impfangebote am Studien- oder Heimatort anzunehmen.