„Wann und woher der Erlöser kommen wird?“

Das fragt sich in einem Brief am 1. Adventsonntag 1934 der ehemalige Württembergische Staatspräsident Eugen Bolz (Gu, BvBo, Sv). Vorausgegangen waren persönlich stürmische Zeiten. 1933 hatten die Nationalsozialisten eine Hetzkampagne gegen ihn organisiert, er war aller Ämter enthoben, mehrere Wochen inhaftiert und schließlich aus der Öffentlichkeit verbannt worden. Mehr schlecht als recht lebte er von einer kleinen Pension. Wenn Bolz fragt, „wann und woher der Erlöser kommen wird“, so ist es durchaus doppeldeutig gemeint, vordergründig kennt er ja die Antwort.

Unter Advent versteht er nicht nur ein Warten auf das Weihnachtsfest – das kommt jedes Jahr und ist gewiss. Nein, vielmehr verbindet er mit dem Advent auch das Warten auf das Ende einer Diktatur, die immer offener ihr wahres Gesicht zeigt. Verfolgung der Juden und Andersdenkender, die Behinderung der Kirchen und des Glaubenslebens, Vorbereitungen auf einen neuen Krieg.

„Wann und woher der Erlöser kommen wird?“ Unser Cartellbruder findet für sich die Antwort. Nicht er selbst ist der Erlöser, auch kein anderer Mensch kann dies sein, nur Christus allein. Aber: Zur Teilnahme am Erlösungswerk ist jeder Christ berufen, auch er. Bereits 1934 verfasst er die Schrift „Katholische Aktion und Politik“, in der er ein Widerstandsrecht gegen den totalitären Staat formuliert. 1941 lernt er Carl Goerdeler kennen, schließt sich dem Widerstand an und ist bereit, in der geplanten Regierung ein Ministeramt zu übernehmen. Das Attentat am 20.7.1944 scheitert… Eugen Bolz erblickt am 15.12.1881 das Licht der Welt, drei Tage vor dem vierten Adventsonntag. Vor 75 Jahren, am 21.12.1944, verurteilt ihn der Volksgerichtshof in Berlin zum Tode, drei Tage vor dem vierten Adventsonntag. Der bekennende Katholik wird am 23.1.1945 in Plötzensee hingerichtet, sein Warten hat ein Ende.

„Advent. Auch wir haben Advent, in dem wir mit heißem Sehnen auf Erlösung warten. Wann und woher der Erlöser kommen wird?“ (E. B., 2.12.1934)

Besinnung zum Advent von Abt em. Winfried Schwab (Fd), CV-Seelsorger