Papst Leo XIV. ermutigt Cartellbrüder zu christlichem Humanismus und gesellschaftlicher Verantwortung
Der Höhepunkt der 140. Cartellversammlung in Rom war die Audienz bei Seiner Heiligkeit Papst Leo XIV. in der vatikanischen Audienzhalle Paul VI.
Mehr als tausend Cartellbrüder, ihre Familienangehörigen und Gäste waren in die Ewige Stadt gekommen, um dem Heiligen Vater zu begegnen. In seiner Ansprache würdigte Papst Leo die lange Tradition katholischer Studentenverbindungen und ermutigte die Mitglieder des Cartellverbandes, ihren Glauben, ihre akademische Bildung und ihre gesellschaftliche Verantwortung auch in einer zunehmend säkularen Welt selbstbewusst zu leben.
Ausgangspunkt seiner Ansprache war das bekannte Verbandsmotto des Cartellverbandes: „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ – „Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem aber die Liebe.“ Dieses Leitwort beschreibe in besonderer Weise die Haltung, die Christen auch heute in Kirche und Gesellschaft einnehmen sollten.
Der Heilige Vater hob hervor, dass akademische Bildung niemals Selbstzweck sein dürfe. Studium und wissenschaftliche Arbeit sollten nicht in erster Linie dem persönlichen Aufstieg oder materiellen Erfolg dienen, sondern dem Dienst an den Mitmenschen und dem Gemeinwohl. Verantwortung in Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft bedeute mehr als Karriereplanung. Wer Bildung als Verpflichtung verstehe, könne einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft leisten.
Dabei warnte Papst Leo XIV. vor einem Denken, das allein von wirtschaftlichem Erfolg und persönlichem Nutzen geprägt sei. Kultur und Wissenschaft seien ein gemeinsames Gut der Menschheit. Die Suche nach Wahrheit bleibe eine zentrale Aufgabe jeder akademischen Gemeinschaft. Wahrheit mache frei, während Unwahrheit und Ideologien den Blick auf die Wirklichkeit verstellten.
Besonders eindringlich war der Appell des Papstes, den christlichen Humanismus als Grundlage des gesellschaftlichen Handelns zu bewahren. Gerade in einer Zeit tiefgreifender technologischer, gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen brauche es Menschen, die ihren Glauben mit Vernunft verbinden und Verantwortung übernehmen. Die Kirche sei auf katholische Akademiker angewiesen, die aus ihrem Glauben heraus Orientierung geben und Brücken zwischen Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft bauen.
Die Begegnung mit Papst Leo XIV. wird den Teilnehmern der Cartellversammlung noch lange in Erinnerung bleiben. Seine Worte waren Ermutigung und Auftrag zugleich: Bildung, Glaube und gesellschaftliches Engagement gehören zusammen. Der Cartellverband kann dabei auf eine lange Tradition zurückblicken und ist zugleich aufgerufen, seinen Beitrag für die Zukunft von Kirche und Gesellschaft zu leisten.
Mit langanhaltendem Applaus dankten die Teilnehmer dem Heiligen Vater für seine herzlichen Worte und die besondere Wertschätzung, die er dem größten katholischen Akademikerverband Deutschlands entgegenbrachte. Die Audienz wird als einer der prägenden Momente der 140. Cartellversammlung in die Geschichte des Verbandes eingehen.
Text und Foto. Heinrich Wullhorst
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